Thursday, October 02, 2008

Kultur der Anpassung

Die Finanzkrise ist in aller Munde. Und es stellt sich die grosse Frage nach dem Warum je länger je mehr, sind doch die Ausmasse des Sumpfes kaum zu überblicken. Die US-Subprimemarktkrise als Ursache der aktuellen gigantischen Verluste im Bankensektor hinzustellen ist einfach - nur ist es ein alter aus der Medizin bereits bestens bekannter Fehler, das Symptom mit der Ursache zu verwechseln.
Auch ein schwammiges und aus der ex-post Perspektive geradezu banales Heraufbeschwören eines angeblichen "laiser-fair"-Prinzips der Regulierungsbehörden ist zu wenig überzeugend. Vor allem wenn man beachtet, dass doch immerhin die besten Uni-Absolventen sich um die wenigen, hochdotierten Stellen im Investmentbanking rangelten und daher sogar eher ein Wissensvorsprung gegenüber den staatlichen Institutionen hätte vorhanden sein müssen in diesem Wirtschaftssektor. Und doch waren es just diese Leute aus den Investmentbanking-Abteilungen, die in ihren Einschätzungen massiv versagten! Der Ruf nach mehr Staat zeigt zwar die Unfähigkeit der sog. "hochbegabten" Finanzanalysten, sagt aber noch immer nicht viel darüber aus, was denn zu dieser Unfähigkeit geführt hat. Fehlende Ausbildung wird es wohl nicht sein - fehlende Mittel zur Ausbildung (sprich: reiche Eltern) wohl auch nicht!

Egal, wie gut die Schulnoten in Analysis und Statistik der Technokraten hoch oben im glasigen Wolkenkratzer sein mögen: Der gesunde Menschenverstand hätte wohl während Jahren steigender Immobilienpreise inne gehalten und sich überlegt, ob der Handel im grossen Stil mit wertlosen Pfandrechten (sog. Ramschhypotheken) nicht vielleicht trotz des Herdentriebs der Karriere-Spastis um einem herum ein totaler Schwachsinn sein könnte?

Ein Freund von mir, der sowohl in der Administration der Logistik-Branche wie auch im Bankwesen tätig war, formulierte es so:
In der Logistik hast du harte Kerle, die früher mit den Trucks unterwegs waren und später ins Büro wechselten. Es entsteht eine Art Macho-Kultur, die durchaus ihre Nachteile in sich birgt. Insgesamt sei jedoch ein gesunder Geist von Rebellion verbreitet mit dem Ehrenkodex, das richtige zu tun. Im krassen Gegensatz zu dem, was im Bankenwesen en vouge ist. Wer nach oben will, hält die Fresse. Wer um seinen überdimensionierten Zapfen bangt, ist lieber still, denn man möchte ja nicht unbedingt noch auffallen - sonst merk's am Ende noch einer, wie wertlos (bzw. wertvernichtend) das ganze im intellektuellen Tümpel gegärte Getue überhaupt ist.
Dies führt dazu, dass Ehre der Anpassung weicht, dass Macho-Gehabe dem Arschlecken Platz macht, statt das richtige zu tun wird das getan, was nicht auffällt, was nicht aneckt, was von oben her gern gesehen wird
-> Kurz: An der Uni lernt man nicht, auf den Putz zu hauen, sondern brav zu sein und sich unter zu ordnen!

Die Kultur der Anpassung ist geschichtlich einigermassen versierten Lesern übrigens durchaus ein gängiger Begriff. Es gab sie schon in den unterschiedlichsten Epochen der Menschheit, eine davon ist etwas mehr als 60 Jahre in der Vergangenheit.

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http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28840/1.html

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